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Leitbild und Konzeption
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Identität und Auftrag Das Arboretum Melzingen ist das Lebenswerk Christa von Winnings. Im Mittelpunkt steht die Geschichte des Garten mit den Kapiteln Die drei Kapitel wurden zu Bestandteilen des öffentlichen Gartens, des Arboretums Melzingen, das von der gemeinnützigen Christa von Winning Stiftung getragen wird. Die alten Strukturen werden erhalten. Behutsame Um- und Neupflanzungen führen verwandte Gehölze zusammen, um den Besuchern Überblick und Vergleich zu erleichtern. Den Gartenbesuchern werden botanische und kulturgeschichtlichen Kenntnisse und die Freude am Garten vermittelt. Die Aufgaben sind, Ziele Im Rahmen der Gesamtkonzeption sollen biologische, ökologische und kulturgeschichtliche Themen erarbeitet, im Garten verwirklicht und den Besuchern gartenpädagogisch nahegebracht werden. Das sind neben der eigenen Geschichte des Gartens besonders solche Themen, die in einem Arboretum mit Gehölzen aus aller Welt augenscheinlich werden, wie zum Beispiel die enge Verwandtschaft von Pflanzen aus Europa, Asien und Nordamerika, was darauf hinweist, dass die Entwicklung dieser Pflanzen in Zeiten zurückreicht, in denen die Erdteile noch enger zusammen lagen. Das ist beispielsweise ebenso die Problematik von Neophyten, von importierten Pflanzen, die mit ganz unterschiedlichen Auswirkungen in heimische Biotope eingedrungen sind. Zur Vermittlung dieser Inhalte ist im Garten wird ein Informationssystem entwickelt, das hohen didaktischen und ästhetischen Ansprüchen gerecht wird. Hinzu kommen gartenpädagogische Veranstaltungen und Materialien. Daneben soll der Garten mit allgemeinen kulturellen Veranstaltungen vom Picknickkonzert über die Ausstellung bis zum Malkurs, aber auch mit seinem Gartencafé nicht nur zu einem kleinen kulturellen Zentrum im ländlichen Raum, sondern auch zu einem beliebten Ausflugsziel werden. Die Zahl der Besucher ist durch ein attraktives Angebot, begleitet von einem effektiven Marketing, zu steigern. Das trägt auch zur Wirtschaftlichkeit des Gartens bei. Besucher Zum Publikum gehören sowohl botanisch versierte Besucher und Gartenfreunde wie auch als größter Anteil ein aufmerksames Publikum ohne besondere Vorkenntnisse. In der Zusammenarbeit mit Schulen können Schulkinder an den Garten herangeführt werden. Unter den Einzelbesuchern spielen ältere Menschen und Familien mit Kindern eine große Rolle. Für Gruppen, die mit Bussen oder Fahrrädern anreisen, ist der Garten ein Ausflugsziel. Dabei ist die aktive ältere Generation eine zunehmend wichtige Zielgruppe, der im Garten wie in kaum einer anderen Einrichtung Bildung und geistige Anregung, verbunden mit Freude und körperlicher Bewegung im Freien, vermittelt werden können. Leistungen Der Garten wird thematisch gegliedert und pädagogisch vermittelt, so dass er sich auch dem aufmerksamen Einzelbesucher erschließt, der keine Gartenführung in Anspruch nimmt. Die gartenpädagogischen Angebote umfassen sowohl Veranstaltungen von der Führung über den Kursus zu speziellen Themen bis zum Suchspiel als auch Materialien wie die Grünen Fäden, die durch den Garten leiten. Dazu kommen allgemeine kulturelle Veranstaltungen wie Picknickkonzerte, Kunstausstellungen, Malkurse, die auf ganz unterschiedliche Interessen der Besucher eingehen. Wer im Garten aktiv mitmachen möchte, der kann sein ehrenamtliches Engagement im Kreise Gleichgesinnter einbringen. Der Garten ist nicht zuletzt ein Ort der Beschaulichkeit und Erholung, an dem man sich erfreuen kann. Das Gartencafé trägt zusätzlich zum Wohlbefinden der Besucher bei. So gewinnt der Garten auch als beliebtes Ausflugsziel für Einheimische wie Auswärtige eine zunehmende Bedeutung für den Tourismus in der Region. Ressourcen und Kompetenzen Die erste Ressource ist der Garten mit seinen seltenen Gehölzen selbst, das Lebenswerk Christa von Winnings. Da die Gartenstiftung außer der Immobilie kein Stiftungskapital besitzt, sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Stiftung und des Gartens eine weitere unschätzbare Ressource. Ohne das Engagement der Ehrenamtlichen könnte der Garten nicht gepflegt und betrieben werden. Diese schwierige Ausgangsposition hat dazu geführt, dass notgedrungen Kompetenzen zur Mobilisierung des Ehrenamtes erworben werden mussten ebenso wie die Fähigkeit, nützliche Kooperationen einzugehen, um gemeinsam mit Partnern Aufgaben zu erfüllen, für die finanziellen Mittel fehlen. Als Kooperationspartner konnten die Justizvollzugsanstalt Uelzen, der Caritasverband Uelzen Lüchow-Dannenberg, die Evangelische Familienbildungsstätte Uelzen, die Agentur für Arbeit, die Gervasius-Realschule Ebstorf und die Gartenschule Pur Natur gewonnen werden. Über die wissenschaftliche Beratung durch die Gesellschaft Deutsches Arboretum gelang es, vor Ort fehlende Kompetenzen von außen einzubinden. Die Kompetenzen der handelnden Personen kommen nicht zuletzt in der Definition und Weiterentwicklung einer Konzeption für den Garten zum Ausdruck, die bei Fachleuten Anerkennung findet. Werte Im Vordergrund stehen zwei wesensverwandte, dem Gemeinwohl verpflichtete Werte, das Stiften und die ehrenamtliche Tätigkeit. Der öffentliche Garten verdankt seine Existenz der gemeinnützigen Stiftung Christa von Winnigs, erhalten werden kann er nur dank der ehrenamtlichen Arbeit vieler Helferinnen und Helfer. Bei dem Fehlen von hauptamtlichem Personal bekommt die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen noch höheren Stellenwert als sonst. Ebenso wichtig sind Information und Weiterbildung der Mitarbeiter, ihre Einbeziehung in die Diskussion zur Vorbereitung von Entscheidungen, ohne dass die Verantwortlichkeit verwischt wird. Auch soziale Werte werden in der Art, wie das Arboretum Melzingen bewirtschaftet wird, sichtbar in der Zusammenarbeit von ehrenamtlichen Helfern mit Freigängern der Justizvollzugsanstalt ebenso wie mit Langzeitarbeitslosen in Ein-Euro- Jobs. Dass der Garten von einer Stiftung getragen wird und ohne ehrenamtliches Engagement nicht erhalten werden kann, ist dem Publikum ebenso zu vermitteln wie die Freude am Garten und die Bildungsinhalte, die aus dem Arboretum abzuleiten sind. Nicht zuletzt ist die Bildung ein Wert, bei der Lernen mit Freude verbunden ist und die der Freizeit Sinn geben kann. Dieses Angebot an möglichst viele Menschen heranzutragen, gerade auch an ältere Menschen und Familien mit Kindern, setzt eine besucherfreundliche Grundhaltung voraus. Unsere Stärken und Schwächen Die Schwächen ergeben sich aus dem Mangel an hauptamtlichem Personal. Sie müssen durch ehrenamtliches Engagement ausgeglichen werden und dadurch, dass sowohl praktische Kompetenzen der Gartenarbeit als auch wissenschaftliche Kompetenzen der Dendrologie von außen herangezogen werden. Aus einem Mangel erwuchs das ehrenamtliche Engagement, das selber zu einer Stärke wurde. Eine ausgeprägte Stärke liegt in der gartenpädagogischen Vermittlung solcher Inhalte, die sich aus der Geschichte des Gartens und aus dem Arboretum als Sammlung von Gehölzen aus aller Welt ableiten lassen. Etliche Fragen zu diesem Thema wurden im Arboretum Melzingen originär entwickelt. Der Garten wurde für das Publikum verständlich und insgesamt besucherfreundlich. Heinz Schirnig, 2006 Konzeption zur Erhaltung und Weiterentwicklung des Arboretums Melzingen Die Grundlagen Das Arboretum Melzingen ist das Lebenswerk Christa von Winnings. Sie legte den Garten nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Nutzgarten an. Die Produkte, hauptsächlich Ziergehölze und Blumen, verkaufte sie auf dem Uelzener Wochenmarkt und sicherte so den Lebensunterhalt für ihre Familie. Auf Ihrer Flucht aus der östlichen Mark Brandenburg hatte Christa von Winning aus dem elterlichen Park einen Zierapfel mitgebracht. Aus seinen Kernen und anderen Samen, die sie später nachgeholt hatte, wuchsen in Melzingen Pflanzen, die sie an die alte Heimat erinnerten. Als Christa von Winning 1968 zum ersten Mal Urlaub machte, unternahm sie, wie sollte es anders sein, eine Gartenreise. Es war die erste von über 70 Gartenreisen, meist Exkursionen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, von denen sie immer Samen und Sämlinge für den Garten mitbrachte. Es reifte der Plan, ein Arboretum, einen Garten der Bäume entstehen zu lassen. Im Jahr 2000 errichtete dann Christa von Winning ihre Stiftung, in die sie den Garten einbrachte, damit er auf Dauer erhalten bleibe und Besuchern geöffnet werde. Aus dem privaten Garten wurde das öffentliche Arboretum Melzingen. Es ist ein individueller Garten der Fülle, nach eigenen Vorlieben und ohne die ordnende Systematik eines Arboretums entstanden. Das Arboretum Melzingen steht wirtschaftlich auf schwachen Füßen. Da die gemeinnützige Stiftung kein Kapital besitzt, dessen Erträge der Gartenpflege zufließen könnten, ist der Garten auf ehrenamtliche Helferinnen und Helfer angewiesen. Bei der Größe des Betriebes und der Fülle der Aufgaben wird das Ehrenamt bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit belastet. Auf lange Sicht ist anzustreben, dass die Stiftung drei tragende Säulen erhält. Das Ehrenamt wird immer eine dieser Säulen sein. Hinzu müssen Einnahmen zur Gartenpflege aus steigendem Besuch kommen. Letztlich bleibt der Aufbau eines Stiftungsvermögens zu wünschen, das die Stiftungsarbeit auf Dauer absichern kann. Die Ziele Der Garten soll in seiner Individualität erhalten bleiben und seine Geschichte zu erkennen geben vom Nutzgarten über die Pflanzen aus der alten Heimat bis zu gesammelten Gehölzen aus aller Welt. Mit Um- und Neupflanzungen wird angestrebt, verwandte Pflanzen zusammenzustellen, um den Garten zu gliedern und den Besuchern Übersicht und Vergleich zu ermöglichen. Der Garten soll zudem ästhetischen Ansprüchen genügen mit harmonischen Anpflanzungen und Wegeführungen, mit lauschigen Ecken, freien Flächen und Durchblicken. Auch die Möblierung des Gartens muss diesen Ansprüchen gerecht werden. Das schließt zum Beispiel Kunststoff und Beton im Garten aus. Die Geschichte des Gartens, biologische und ökologische Themen werden den Besuchern gartenpädagogisch vermittelt. Dem Publikum soll aber auch die Schönheit der Pflanzen und die Anmut des Gartens nahegebracht werden. Mit seinen allgemeinen kulturellen Veranstaltungen wird das Arboretum zu einem Ort der Kultur. Es wird ebenso zu einem attraktiven Ausflugsziel für einheimische und auswärtige Besucher, ein Anziehungspunkt für Touristen. Dabei fällt dem Gartencafé eine wichtige Rolle zu. Wirtschaftliches Ziel sind steigende Einnahmen für die Gartenpflege. Gartenpflege Da der Garten ausschließlich von Ehrenamtlichen, unterstützt von Langzeitarbeitslosen und Strafgefangenen, bearbeitet wird, muss er pflegeleicht angelegt werden. Die Flächen zwischen den Gehölzen werden nur durch Mähen saubergehalten. Staudenbeete werden auf das Umfeld des Gartencafés beschränkt. Konzertwiese und Große Wiese werden als Rasenflächen für Veranstaltungen freigehalten. Für Wildblumen und Wildkräuter sind die Flächen entlang der Gartengrenzen reserviert. Jede einzelne Maßnahme im Garten muss Teil der Gesamtkonzeption sein. Gliederung und Struktur Das Leitthema des Arboretums Melzingen ist die Geschichte des Gartens selber mit den Kapiteln
Die alten Strukturen des Nutzgartens werden wieder freigelegt und bleiben erhalten. Mit behutsamen Um- und Neupflanzungen werden Pflanzen nach Verwandtschaften zusammengestellt, um den Besuchern Übersicht und Vergleich zu erleichtern. Dadurch können besonders solche Themen behandelt werden, die sich in einem Arboretum anschaulich machen lassen, wie die enge Verwandtschaft von weit entfernt lebenden Pflanzen aus Europa, Asien und Nordamerika, verbunden mit der Schlussfolgerung, dass die Entwicklung dieser Pflanzen in Zeiten zurückreichen muss, in denen die Erdteile noch enger zusammen lagen. Beim Thema „Wildrosen aus aller Welt“ und „Blauregen“ wird diese Fragestellung am Beispiel dieser Pflanzengattungen behandelt. Auch die Problematik von Neophyten, von importierten Pflanzen, die mit ganz unterschiedlichen Auswirkungen in heimische Biotope eingedrungen sind, ist ein dem Arboretum gemäßes Thema. Daneben werden viele andere biologische und ökologische Themen im Garten dargestellt und dem Publikum nahegebracht. Im Schmetterlingsgarten sind Saugpflanzen für Schmetterlinge und Futterpflanzen für ihre Raupen zusammengestellt worden. Der Parkplatz wird mit einer typischen Auswahl heimischer Laubbäume bepflanzt, die im Arboretum selbst weitgehend fehlen. Gartenpädagogik Der Garten erhält ein einzheitliches, hierarchisch gegliedertes Informationssystem für Besucher mit dem
Hinzu kommen Wegeschilder und Wegweiser. Die einheitliche Beschilderung folgt didaktischen und ästhetischen Maßstäben und fügt sich zurückhaltend in den Garten ein, um einen Schilderwald zu vermeiden. Die Schilder sind kleinformatig, der Schriftgrund ist anthrazitgrau. Um den Besuchern entgegen zu kommen, werden im Gegensatz zu den meisten botanischen Gärten die Pflanzen zuerst mit ihrem deutschen Namen und danach mit der exakten botanischen Bezeichnung benannt. Gartenpädagogische Veranstaltungen wie Führungen, Kurse oder Suchspiele und gartenpädagogische Materialien wie die „Grünen Führer“ vervollständigen das Angebot. Kulturelle Veranstaltungen Nicht nur mit seiner Gartenpädagogik, sondern ebenso mit allgemeinen kulturellen Veranstaltungen von Picknickkonzerten über Kunstausstellungen bis zu Malkursen begreift sich das Arboretum als kleines Kulturzentrum im ländlichen Raum. Es sind solche Veranstaltungen, die nach ihrer Qualität zum Garten passen. Der Garten soll sich mit seiner Ästhetik und Ruhe von Rummel und lauten Massenveranstaltungen absetzen. Es ist dringend zu wünschen, dass das große Stallgebäude saniert und als Kulturstall genutzt werden kann. Hier hin könnte man mit Freiluftveranstaltungen bei schlechtem Wetter ausweichen. Gartencafé Gartencafé und Gartenladen sind wichtige Service-Einrichtungen, die Attraktivität und Qualität des Gartens steigern. Sie sollen in ihrer Gestaltung und dem Sortiment aus vorwiegend regionalen Produkten den Ansprüchen des Gartens genügen. Marketing Ein effektives Marketing ist notwendig, um die Zahl der Besucher zu steigern und die Einnahmen, die dringend zur Gartenpflege benötigt werden, zu erhöhen. Dazu gehören die Analyse des Marktes ebenso wie die Verbesserung des Produktes, ein einheitliches Erscheinungsbild und eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit, um den Garten noch bekannter zu machen. Zusammenarbeit und Vernetzung Seine Ziele kann das Arboretum Melzingen nur in der Zusammenarbeit mit Partnern erreichen. Die wissenschaftliche Beratung erfolgt durch Dendrologen der Gesellschaft Deutsches Arboretum. Als weitere Partner für die Gartenarbeit und die Bildungsaufgaben konnten die Justizvollzugsanstalt Uelzen, der Caritasverband Uelzen Lüchow-Dannenberg, die Evangelische Familienbildungsstätte Uelzen, die Agentur für Arbeit, die Gervasius-Realschule Ebstorf, die Musikschule für Kreis und Stadt Uelzen und die Gartenbaumschule Pur Natur gewonnen werden. Auch die Werbung und touristische Vermarktung kann vernetzt wirkungsvoller erfolgen als allein. Es bietet sich an, mit kulturellen Ausflugszielen der Region wie dem Kloster Ebstorf, dem Hundertwasser-Bahnhof Uelzen und dem Museumsdorf Hösseringen sowie mit überregional bedeutenden Gärten zusammenzuarbeiten. Es wurden Kooperationen mit der HeideRegion Uelzen, dem Verkehrsverein Ebstorf und der Agentur Kultournetnord eingegangen. Kooperationen und Vernetzungen müssen vertieft und ausgedehnt werden. Heinz Schirnig, 2006 |